Mesopotamien, das Zweistromland galt einst als der Ort der Hochkulturen — es steht heute unter Feuer. Bürgerkriege, Terror, Massaker, Folter und sogar Sklaverei beherrschen heute diese Region. Eine ohnmächtige, verzweifelte Bevölkerung ist die Folge, die nun zum größten Teil auf der Flucht ist. Einzelne Städte aber auch einzelne Menschen werden oft zu Symbolfiguren dieser Krise.
Als die kurdische Stadt Kobanê in Syrien, die im arabischen „Ain al-arab“ heißt und von Extremisten des selbst ernannten „Islamischen Staats” (IS) nach wochenlanger Bombardierung beinahe überrannt wurde, flüchteten binnen zwei Tagen über 100.000 Kurden aus Syrien in die türkische Grenzprovinz Şanlıurfa. Nach tagelangem Verfolgen der Nachrichten beschloss ich das Drama als Masterthesis zu behandeln. Ich plante in die Provinz Şanlıurfa der Türkei zu fliegen und die Situation der Flüchtlinge und die Region, in der sie nun zum größten Teil leben, fotografisch zu dokumentieren.
Die ganze Situation ist ein politisch komplexes Gebilde — nicht nur für Außenstehende.
In diesem Buch fasse ich meine Fotodokumentation während meiner Reise entlang der Syrischen Grenze in der Südostregion Türkeis zusammen. Desweiterem beschreibe die aktuelle Lage und die unterschiedlichen Bedingungen, in denen die Flüchtlinge leben. Dabei dokumentiere ich meine Beobachtungen vor Ort fotografisch und textlich objektiv, unzensiert und so transparent wie möglich.